Meine Trauer

* Meine Trauer *
Meine ganz persönliche Trauer, die niemand beurteilen sollte oder gar verstehen muss.
Ich möchte die Erfahrungen und die Phasen meiner Trauer, wie ich was empfinde und leide einmal aufschreiben, vielleicht hilft es mir oder so gar anderen Betroffenen mit diesem Lernprozess es besser zu verarbeiten zu können und auch manches besser verstehen zu können.
Mein ganzes Verhalten, hat sich von einer zur anderen Sekunde sehr verändert, ohne das es von mir beabsichtigt oder sogar bewusst war.
Ich fühlte mich wie gelähmt, konnte mich kaum bewegen.
Von einer zur anderen Sekunde habe ich das Liebste in meinem Herzen verloren. Zu vergleichen mit einem Blitzschlag, der voll von meinem Körper getroffen wurde, der das Liebste plötzlich und unerwartet von mir gerissen hat. Ich fühle mich so leer, kraftlos, so unendlich müde, tiefe Traurigkeit hat Besitz von meinem ganzen Körper genommen. Mein Leben hat keinen richtigen Sinn mehr. Alles ist anders, gestern war doch noch alles in bester Ordnung, so gar vor ein paar Stunden noch und plötzlich ist alles ganz anders .In dieser schwierigen Situation kommt zu viel auf einmal auf mich zu und ich bin nicht in der Lage, es ein zu ordnen und bin völlig überfordert.
Wenn wir in der Vorweihnachtszeit einkaufen gehen und die ersten Weihnachtslieder klingen aus den Lautsprechern, ist es als ob ich ein Messer ins Herz gestoßen bekomme, dann laufen die Tränen. So war es beim ersten mal und so ist es heute noch, anfangs war es so schlimm, dass ich das Geschäft verlassen habe. Auf die Weihnachtsmärkte, habe ich mit Absicht dann auch verzichtet, zu viele schöne Erinnerungen sind damit verbunden und das tut so unheimlich weh und deshalb vermeide ich es so gut ich kann.
Meine Familie überredet mich unser Haus weihnachtlich zu schmücken, letztendlich zwinge ich mich dann selbst dazu, aber es fällt mir sehr schwer und es fallen viele Tränen.
Ich habe mich in vielen Dingen zurück gezogen, man kann sagen eingeigelt. Es fällt mir schwer unter vielen Menschen mich auf zu halten. Wenn wir bei Freunden eingeladen sind, kann ich immer noch nicht über Nacht bleiben, ich muss zurück, damit ich zu meinen Lieben ans Grab gehen kann. Es ist ein innerlicher Zwang, dem ich einfach nach geben muss.
Ich fühle mich auch oft unverstanden, für mich ist es völlig normal über Karl-Heinz und über mein Engelchen zu reden. Es kam schon zu dieser Situation in einem Gespräch, in der diese Erinnerung kommt oder jene und das möchte ich dann auch gerne erzählen, denn ich empfinde es für völlig normal. Doch dann musste ich feststellen, entweder wird einfach nicht darauf reagiert und völlig ignoriert. Oder ich bekomme gesagt, ich müsste nun doch einmal los lassen. Meist sind dies gute Bekannte, die sich gar nicht vorstellen können, was in einem vor geht und das jede Erinnerung mit mir lebt.
Manchmal, wenn ich alleine bin, bin ich so weit in meinen Gedanken versunken, dass ich gar nicht bemerke , wie viel Zeit schon vergangen ist. Alles geht mir viel langsamer von der Hand und daran habe ich bemerkt, ich funktioniere nur noch, ich habe keine richtige Gewalt mehr über meinen Körper.
Mein Leben war unbeschwert und glücklich und nun, dieses schreckliche furchtbare Gefühl, dieser bittere, verzweifelte und hilflose Schmerz in mir. Was ist Tod, was hat das alles zu bedeuten. Wo bist du, was ist nur geschehen? Ich habe dich doch immer beschützt, wie eine Löwin ihre Jungen und jetzt hat der Tod gesiegt und hat alles lahm gelegt. Ich fühle mich, wie in einem fremden Körper, der gar nichts mit mir zu tun hat und der nicht zu mir gehört. Ich kann mich nicht wehren und bin der Ohnmacht nahe. Ich habe das Gefühl zu schreien, doch es kommt kein Ton heraus.
Ich bin so verzweifelt, ich kann mich kaum bewegen. Dieser Druck sitzt auf meinem Brustkorb und schnürt mir die Kehle zu. Herzschmerzen machen sich bemerkbar, alles seelisch und psychisch bedingt. Die Trauer ist auf meinen ganzen Körper geschlagen.
Ich möchte gewiss nicht über meinen Körper ein Krankheitsbild nun abgeben, ich möchte nur damit sagen, wie sehr die psychischen Probleme
dem Körper zu setzen kann.
Seit 2008 fallen mir in gewissen Abständen, ohne Schmerzen und ohne Blut, Zähne aus und es ist 2010 noch schlimmer geworden. Ich kann nur froh sein, wir haben ein Dentallabor und so mit ist mein Mann vom Fach und kann immer gleich den fehlenden Zahn ersetzen. Mittlerweile habe ich gerade mal 10 eigene Zähne noch. Jeder Zahn der mir einfach ausgefallen ist, war gesund, die Wurzel war ganz weiß, für den Zahnarzt unvorstellbar.
Ich war immer sehr stolz auf meine Zähne und habe sie immer sehr gepflegt, auch daran sieht man, welches Ausmaß die tiefe Trauer haben kann.
Das ist die bittere Wahrheit und ich schäme mich nicht darüber zu sprechen. Ich werde mit Problemen konfrontiert das alles fremd für mich ist, ich selbst muss lernen, wie ich damit umgehen kann. Das Leben ist noch nie reibungslos gewesen, doch durch die schmerzliche Trauer, ist es etwas völlig anderes. Ich möchte auch nicht meine Trauer verdrängen, sondern ich muss sie aus leben. Das ist ein weiter und sehr langer Lernprozess, bei dem mir niemand anderes helfen kann. Glück bedeutet für mich meine Familie und nicht Reichtum, Geld, große Reisen usw. Die Liebe zu meinen Lieben ist das größte Glück was bei mir zählt und ich kann sagen, ich besaß das größte und schönste Glück das man sich nur wünschen kann. Diese Liebe und die Vertrautheit und tiefe Bindung, zu meinem Bruder Karl-Heinz und auch zu meinem Engelchen Sissi werde ich niemals verlieren, auch nicht durch den Tod. Und dafür bin ich so unsagbar dankbar, denn das ist für immer verankert in meinem Herzen und kann mir niemand nehmen.
Es liegt mir fern irgend welches Mitleid, durch diese Erfahrungen zu erregen, denn dass ist gewiss etwas was ich überhaupt nicht will und nicht gebrauchen kann.
Ich möchte nur damit zum Ausdruck bringen, was in meinem Körper in dieser Phase der Trauer vorgeht.
Es grenzt ja schon an übermenschliches was ein Trauernde da aus halten und leisten muss, in dieser harten Prüfung, die einem auferlegt wurde.
Denn jeder verarbeitet seine Trauer ja auch anders und so wie es für jeden am Besten sich eignet.
Ich kann den Tod immer noch nicht begreifen und schon gar nicht verstehen. Immer, wenn ich vor den Gräbern stehe und nun weiß das meine Lieben hier begraben sind fällt es mir um so schwerer. Bei Karl-Heinz war es etwas völlig anderes, weil er eine Feuerbestattung hatte, mit der ich auch nicht klar gekommen bin. Bei uns in der Familie ist noch niemand zuvor verbrannt worden. Und nun ist es das was ich meine, mit dem Tod nicht klar kommen. Gedanken Feuer, sein Körper wurde verbrannt, für mich unvorstellbar, dieser Körper gehört doch zu ihm und dann ist nur noch die Asche übrig. Ich habe sehr lange gebraucht um das an zu nehmen und damit um zu gehen.
Susi, Karl-Heinz Frau, wäre mit einer Erdbestattung nicht klar gekommen. Sie sagte einmal zu mir, dass sie es nicht ausgehalten hätte, wäre er mit seinem Körper begraben worden. Beide waren wir völlig anderer Ansicht und mit dieser Erfahrung musste jeder selbst versuchen es auf seine eigene Weise zu verarbeiten. Heute kann ich sagen, ich habe mich zu mindest daran gewöhnt das es so ist und es so nun angenommen. Ich denke darüber auch nicht mehr nach, denn ändern könnte ich es so wie so nicht mehr. Ich weiß noch, als ich seine Urne, an meinem Herzen gedrückt, bis zum Grab tragen durfte, welches Gefühl das war. In diesem kleinen Behälter war nun sein ganzer Körper das kann man in diesem Moment gar nicht begreifen, nichts ist mehr von ihm übrig geblieben, es war so, so habe ich es empfunden, als ob sein ganzes bisheriges Leben ausgelöscht wurde und nichts mehr da ist von ihm. Das war so schrecklich schmerzlich für mich das ich es kaum beschreiben kann.
Nun das Gegenteil, mit meinem Engelchen, ich sehe sie wie sie, nun da unten in der kalten, dunklen Erde liegt und am liebsten würde ich sie wieder heraus holen.
Mein Herz ist dafür, doch mein Verstand sagt nein. Gott sei Dank habe ich mich so weit im Griff, das ich das nicht tun werde. Regnet es denke ich das Wasser dringt jetzt bis zu ihr, schneit es begräbt der Schnee ihr Gräbchen.
Ist ein Gewitter würde ich sie am liebsten beschützen und in den Arm nehmen, davor hatte sie immer so große Angst.
Wenn es so eisig kalt war und ich im warmen mich aufhielt, hielt ich es manchmal kaum noch aus .Dann kommt wieder der Zusammenbruch, weil ich nichts mehr tun kann und zurück bleibt ganz tiefe Verzweiflung und viele, viele Tränen.
Obwohl sie nach ihrem Tod untersucht wurde, habe ich manchmal die Momente die so grausam sind, in denen ich meine, ich hätte sie lebendig begraben. Dann muss ich mir jedes mal die Gewissheit wieder einholen und bestätigen lassen, dass sie doch wirklich Tod ist.
Es war schon zum verrückt werden, ich kann es mir nur so selbst erklären, weil ich bzw. wir so unvorhergesehen mit ihrem plötzlichen und qualvollen Tod konfrontiert wurde. Das ist so furchtbar und schrecklich und das wünsche ich niemanden, das zu ertragen und durch zu stehen.
Dann immer wieder warum konnte ich dir nicht helfen.
Warum konnte ich dir deine Schmerzen nicht ab nehmen, es ist für mich viel schlimmer mit zu erleben, wie qualvoll du leidest, als es selbst aus zu halten und es zerreißt mir das Herz dabei. Diese grausamen Schmerzen, hätte ich tausend mal selbst lieber ertragen, als das du sie erleiden musstest. Das mit zu erleben, kann ich kaum beschreiben, daneben zu stehen und nicht helfen zu können. Ich bin wie betäubt und benebelt und alles nimmt seinen Lauf. Ich fühle wie eine Mutter die ihr geliebtes Kind nun beerdigen und hergeben musste.
Alles geht einfach weiter, die Beisetzung von Karl-Heinz und die Beerdigung von meinem Engelchen, alles läuft ab wie in einem Film.
Ich kann nicht klar denken, mein Kopf ist voll und doch ganz leer. Was ist nur passiert, wer hat Schuld daran, es muss einer Schuld sein.
Gedanken nehmen ihren Lauf und ich komme nicht mehr zur Ruhe.
Was habe ich falsch gemacht, hätte ich anders handeln können ,
war es meine Schuld, habe ich irgend etwas übersehen das dir noch geholfen hätte. Warum habe ich das nicht gespürt was gekommen ist.
Große Angst über kam mich die mir fast den Atem nahm und ich stand so hilflos daneben.
Hätte ich, könnte ich, warum habe ich nicht, wie so, warum Fragen über Fragen auf die ich keine Antwort bekommen werde.
Tränen, schlaflose Nächte, quälendes Heimweh und ganz starke unbeschreibliche Sehnsucht ziehen mich zu dir, vergleichen mit einem Sog der einem nach unten zieht oder einer Spirale, die mich automatisch immer wieder zu dir zieht.
Unkontrolliert laufen mir die Tränen herunter, manchmal weiß ich gar nicht wo ich jetzt bin und was ich gerade machen wollte. Es ist passiert als wir zusammen einkaufen waren, plötzlich fing ich zu weinen an und wusste noch nicht einmal mehr den Weg zum Ausgang.
Wie ein verlorenes Kind stand ich da, bis mein Mann auf mich zu kam und mich in seine Arme nahm.
Ich bin fix und fertig und meine Nerven liegen blank.
Werde ich verrückt? Lieber Gott hilf mir bitte. Ich würde alles dafür geben,
könnte ich dich zurück holen. Dich nur noch einmal in meine Arme nehmen,
Dich nur noch einmal hören können, was würde ich alles dafür geben.
Keinen Weg wäre mir so weit und so mühsam ihn zu gehen, könnte ich dich zurück holen. Alles geht einfach weiter, so als wäre nichts geschehen, dabei ist eine Welt für mich zusammen gebrochen und ich fühle mich so verdammt alleine und verlassen, obwohl meine Familie und so viele liebe Menschen um mich herum sind, aber mir kann niemand helfen.
Zuerst dachte ich, ich bräuchte keine Gegenstände oder Bilder um mich an dich zu erinnern, in gewisser weise stimmt das auch, doch einiges hat sich verändert. Nun ist es so das ich mich an alles klammere, das mit dir irgendwie in Verbindung stand. Nicht um mich zu erinnern, sondern dich zu behalten, fest zu halten um mit dir weiter zu leben. Und sind es noch so belanglose Dinge, haben sie für mich großen Wert bekommen und mein ganzes Denken hat sich dadurch sehr verändert.
Alles hat jetzt seine ganz bestimmte Bedeutung bekommen und ist so kostbar geworden. Alles was von dir ist, behüte ich wie ein Goldschatz. Sogar deine Tabletten liegen immer noch auf ihrem Platz, alles muss so bleiben, so wie es immer war. Als ob du nur ganz kurz weg gegangen bist und kommst gleich wieder, nichts darf verändert werden.
Ich suche deinen Geruch, wie ein Hund schnuppere ich und will die letzte Spur von dir behalten und möchte ihn einfangen und nie verlieren.
Ich hebe die Glühbirnen und Energiebirnen auf, die jetzt nicht mehr brennen.
Dieses Licht haben wir gemeinsam wahr genommen. Streichle und küsse deine Bilder, viele Bilder habe ich aufgestellt, ein laufender Bilderrahmen mit so vielen Bildern ist von Morgens bis zum Abend am Laufen und davor brennt immer eine Kerze.
Ich versuche alles um dich fest zu halten. Da ist ein Kissen, darauf du immer gesessen oder sogar geschlafen hast, dass wird nicht mehr gewaschen es bleibt wie es ist. Jeden Abend drücke ich das Kissen an mein Herz und halte es ganz fest bei mir, um dir ganz nah zu sein mein Engelchen.
Von dir lieber Karl-Heinz habe ich so gar noch ein Gästehandtuch, dass du immer benutzt hast, wenn du einen Auftritt hattest, leider ist es gewaschen, aber du hast es immer benutzt. Ein kleiner alter Tischläufer er ist ganz bunt, lege ich manchmal auf den Küchentisch. Meine Schwester Christel sagte einmal, ich will dir nicht zu nahe treten, aber dieser Läufer passt doch gar nicht zu euerer modernen Küche. Als ich ihr sagte das dieser Tischläufer von Karl-Heinz ist, hat sie es verstanden. So geben es noch so viele Dinge von denen ich mich nicht trennen kann, weil sie ein Stück kostbarer Erinnerung für mich sind, die ihre ganz bestimmte Bedeutung für mich bekommen haben.
Dein Keyboard, Susi hat es mir geschenkt, ich war so bewegt darüber.
Dein geliebtes Keyboard auf dem du immer so wundervoll, mit ganzem Herzen gespielt hast, darf niemand berühren, für mich ist es ein Heiligtum.
Du bist doch neben Georg, das wichtigste in meinem Leben, du gabst mir immer so viel Halt, wie soll ich das alles überstehen. Wie soll ich zurecht kommen ohne dich, wie soll ich leben ohne dich. Wir waren eine Einheit vielleicht so gar Seelenverwandt.
Wo liegt nur der Sinn darin. Bin ich nun verrückt, nur weil ich so leide und dich so unermesslich und unbeschreiblich vermisse?
Was andere über mich denken, ist mir ganz egal, denn sie tragen diesen Schmerz ja nicht in sich und können sich deshalb gar kein Urteil erlauben.
Ein schwarzer Schleier hat sich über mein ganzen Körper gelegt, ich kann ihn nicht von mir ziehen, es hält mich gefangen.
Ich verspüre keine Freude mehr, kann nicht mehr herzlich lachen, in mir ist etwas zerbrochen und mit verstorben. Ich habe mich verändert, meine Gesundheit ist mir nicht mehr wichtig, ich rauche viel zu viel und bemerke es immer dann, wenn die Schachtel schon wieder leer ist. Aber was soll’s, ist mir egal, ich weiß nicht mehr wo ich hin gehöre, in dieses Leben oder zu dir. Ich bin nicht mehr der Mensch den ich einmal war. Bin verletzlich geworden und befinde mich am Boden. Der Tod hat mich aus der Bahn geworfen. Der Tod hat mich gezeichnet und da hilft auch keine Schminke.
Ich kann kein Glück mehr verspüren, es ist, als ob ich innerlich sterbe. Fühle mich nicht gut, sollte mal ein Lachen aus meinem Mund kommen. Dann ist gleich wieder dieses dumpfe Gefühl in der Magengegend, ich komme mir vor als ob ich mehr Tod bin als am Leben zu sein. Wenn ich eingeschlafen bin erwache ich mit Kopfschmerzen. Diese Kopfschmerzen,
mein Kopf pocht und es ist nicht mehr zum Aushalten. Gehe zu meiner Hausärztin, mein Blutdruck ist viel zu hoch, mein Körper ist so ausgelaugt und schlaff und ich bin so müde. Bekomme zusätzlich für den Abend noch eine Blutdrucktablette verordnet, wenn ich wenigstens diese starken Kopfschmerzen wieder weg bekomme, sonst ist es gar nicht mehr zum aus halten.
Ich träume von dir und diese Träume sind so schön und am liebsten will ich gar nicht wieder auf wachen. Aber dann träume ich auch von meinem Engelchen und diese Träume sind qualvoll, immer verliere ich sie und kann sie nicht wieder finden, dann höre ich ihre so höllische, qualvolle ganz laute Schreie und wache auf. Diese fürchterlichen Alpträume verfolgen mich seit 2010 und es lässt mich nicht mehr los, so sehr liebe ich dich. Ich wünsche mir so wahnsinnig sehr mein Leben mit dir zurück. Ich bete, flehe bitte und bettele doch ohne Erfolg, du kannst nicht zurück kommen. Verbitterung und Wut machen sich in mir breit, doch auch das hilft mir nicht weiter, du kannst nicht mehr kommen. Es ist ein ständiger Kreislauf, von Hoffnung und Verzweiflung. Diese Ärztin, die dich noch nicht mal richtig behandelt und untersucht hat, müsste das mal aus halten, damit sie mal spüren würde, was sie mir alles angetan hat und welches Ausmaß das hinter sich her zieht. Warum nur hat sie dein Blut nicht untersucht, warum hat sie keine CT. Gemacht und alles nur,weil sie so bequem war du könntest noch bei mir sein.
Aber es ist ja nur ein Tier, dem man nicht so viel Achtung schenken braucht, meint sie und so mancher anderer. Aber solche Menschen sind sehr arm dran, sie wissen nicht was sie versäumen, welche Liebe, Treue und Vertrauen dahinter stecken. Jeder der einen so großen Verlust hat, muss erst mal lernen damit um zu gehen und muss seinen eigenen Weg erst finden. Ich kann nur sagen, das man in einer gewissen Phase nur funktioniert, wie ein Robotter der programmiert wurde. Das wahre Leben läuft an einem vorbei und man fühlt sich, wie ein Zuschauer.
Die Zeit nimmt man gar nicht wahr und ist erschrocken darüber, wie schnell ein Jahr oder mehr, vorüber gegangen ist. Für andere ist das schon lange her, doch für mich ist es erst geschehen, die Zeit ist für mich stehen geblieben.
Ich habe eine guten Menschenkenntnis und bin sehr feinfühlig ich spüre sofort, wenn es jemand ehrlich meint oder ob ich nur etwas vor gemacht bekomme. Ich schreibe vielen fremden Menschen auf deren Gedenkseiten in die Gästebücher hinein. Bestimmt nicht um mich zu verewigen, nein.
Ich schreibe, weil sie auch diesen fürchterlichen Schmerz der Trauer verspüren und weil ich ihnen Kraft wünsche, die Kraft um das alles durch zu stehen, denn was kann man sonst anderes wünschen als Kraft!
Dann geht es mir auch um den Verstorbenen, „ Er „ bzw. „ Sie „ soll nicht vergessen sein und alleine dieser Gedanke an „ Ihn „ bzw. „Sie „ lässt „ Ihn „ bzw.“ Sie „ weiter leben, auch wenn ich „ Ihn „ oder „ Sie „ nie selbst gekannt habe. Das ist das Unvergessen sein, hier auf unserer Erde!
Dann entsteht eine gewisse Vertrautheit, obwohl man diesen Menschen noch nie begegnet ist. Ich lasse Karl-Heinz und auch mein Engelchen weiter leben und nie sterben und das ist im Sinne seiner Gedenkseite.
Vielleicht gehört auch das zu dem Lernprozess dazu, auf jeden Fall kann ich sagen das es mir behilflich ist, weil ich ganz fest daran glaube, das unsere Lieben alles was wir tun auch mit bekommen, zumindest hat das ein Medium behauptet, was auch nach gewiesen werden konnte.
Mein ganzes Leben hat sich verändert, durch diese fürchterlichen, schmerzlichen Verluste. Oft stehe ich, wie neben mir, alles ist so fremd,
versuche immer wieder aufrecht zu stehen, doch das ist gar nicht so leicht, wie man sich das vorstellt.
Alles um mich herum ist so bedeutungslos geworden, nichts ist mir mehr wichtig. Mein Mann probiert mich auf zu fangen um mir Kraft und Mut zu geben, doch Kälte und Dunkelheit ist mein ständiger Begleiter.
Er ist der einzige Mensch der mich ungeschminkt kennt, meine Gefühle meine tiefe Traurigkeit und die vielen Tränen.
Bei ihm kann ich mich gehen, oder fallen lassen, zumindest kann er es verstehen. Obwohl er ja auch betroffen ist und er ja auch sehr darunter leidet. Wir haben im Leben schon viele Schwierigkeiten zusammen gemeistert und immer in den Griff bekommen. Aber mit dieser gravierenden einschneidenden Veränderung ist das alles kein Vergleich, denn der Tod ist endgültig und das muss man erst einmal begreifen lernen.
Er sieht mich so wie ich wirklich bin und er gibt mir das Gefühl, dass er mich verstehen kann. Aber auch er kann mir nicht helfen, er kann dich mir nicht zurück geben. Nicht dich lieber Karl-Heinz und auch nicht mein Engelchen Sissi.
Hintereinander das Liebste zu verlieren, wie soll ich das nur verkraften und damit klar kommen, ich habe meine Grenze doch schon erreicht, es ist zum Wahnsinnig werden.
Alles erinnert mich an dich, ob im Haus oder auf der Strasse. Da waren wir gemeinsam, diesen Weg sind wir zusammen gegangen......
Nichts ist mehr wie es einmal war und ich weiß es wird nie wieder so sein.
Man kann nicht einfach davon laufen, egal wo man sich befindet, dieser Schmerz verfolgt einem und lässt einem nicht mehr los und wenn man bis ans Ende der Welt ginge, er bleibt tief im Herzen. Je größer die Liebe, desto größer ist der Schmerz, so empfinde ich es. Ich habe mein ganz persönliches eigenes Ritual, dass ich Tag für Tag ab halte. Im Wohnzimmer auf der Vitrine habe ich einen kleinen Altar aufgebaut. Er ist mein erster Weg am Morgen und der letzte am Abend. Meine Gedanken sind Tag und Nacht bei dir.
Bevor ich schlafen gehe spreche ich mein letztes Gebet am Fenster, ich sehe zu den Sternen hinauf und hoffe du kannst mich hören. Ich vermisse dich so sehr und die Sehnsucht wird nicht weniger, nur noch intensiver. Ich bin kein großer Kirchgänger und war es auch noch nie gewesen, doch ich glaube an Gott und die Unendlichkeit. Manchmal ist der Schmerz unerträglich und ich könnte laut hinaus schreien. So sieht es in mir aus und so empfinde ich diese furchtbare Trennung.
Ich habe empfohlen bekommen, einen Psychotherapeuten auf zu suchen oder eine Trauerbewältigung mit zu machen. Ich jedoch bin der Ansicht, dass es keine Tabletten und auch keine Hilfe dafür gibt, denn gegen die innige Liebe, das qualvolle Heimweh und die starke Sehnsucht kommt kein Medikament an. Und selbst ein Psychotherapeut kann niemanden vor schreiben, wie lange seine Trauer an zu halten hat und auch er ist nicht im Stande mir das zurück zu geben, was mir so sehr fehlt.
Wir lebten viele Jahre zusammen, teilten Freude und Leid und dann soll man in kürzester Zeit über der Trauer und der Trennung stehen und das kann ich nicht. Man kann nicht das Liebste aus seinem Herzen heraus reißen und so tun, als hätten sie nie gelebt, ich kann es nicht!!!!
Ich versuche meinen eigenen Weg zu finden mit der Trauer um zu gehen. Es vergeht keinen Tag, an dem ich dein Grab nicht besuche. Mit ganz viel Liebe pflanze ich es ein und hoffe, dass du es sehen kannst und das es dir gefällt. Genau diese gleiche Trauer empfinde ich bei meinem Engelchen Sissi und da ist kein Unterschied. Wenn man aufrichtig liebt, braucht man sich dafür auch nicht zu schämen. Mein Engelchen war mein Kind, dass meine ganze Liebe zu spüren bekommen hat. Ich weiß das viele damit nicht umgehen können, aber das ist ja auch ganz persönlich meine Angelegenheit und der das nicht versteht, dass man auch solche Gefühle einem Tier entgegen bringen kann, braucht sich ja mit mir nicht zu unterhalten. Auf jeden Fall ist sie ein großer Teil von mir, der immer zu mir gehört und den ich nie verleugnen werde, auch nicht, wenn manche damit nicht klar kommen, die diese innige Liebe nicht nachempfinden können. Aber ich kann manchen versichern, dass mein Engelchen von mir mehr Liebe erhalten hat, als so manches Kind leider in seinem Leben je erfahren hat und leider nie erfahren wird. Das ist sehr traurig aber auch nur zu wahr.
Dieses kleine zierliche, hilflose Wesen, musste so qualvoll sterben. Ihr Tod, war ein Trauma und ein ganz großer Schock, der ganz viel Zeit braucht um damit um gehen zu können, vielleicht kann ich dieses furchtbare Geschehen auch nie überwinden, ich weiß es nicht und ich wünsche so ein schreckliches Erlebnis keinem. Das Leben ist so ungerecht und gemein.
Weder Karl-Heinz noch sie haben nie irgend jemand böses getan, im Gegenteil, sie haben nur gegeben und das ihr ganzes Leben.
Karl-Heinz weiß wie sehr er und auch mein Engelchen mir fehlen.
Auch sie ist bei mir, ich kann sie manchmal ganz deutlich spüren und auch sie hat es nicht verdient, dass ich sie je vergessen werde.
Für mich existieren meine Lieben immer noch und das wird sich auch nie ändern. Um das einmal ganz klar aus zu sprechen.
Durch Erkundigungen mit Menschen die einen Nahtod hatten und über deren Berichte habe ich mich etwas schlau gemacht. Auch kenne ich ein Medium und ich bin überzeugt, dass „ das Ende nicht das Ende ist. „ Es ist ein Neuanfang und ich habe die Hoffnung, meine Lieben wieder zu sehen. Alles was damit zusammen hängt interessiert mich sehr und deshalb habe ich auch viel darüber gelesen. Ich glaube an die Ewigkeit und ich glaube an das so wundervolle Licht das einem mit unsagbarer Liebe durch strömt, wenn man diesen Weg gehen muss.
Und daran werde ich meinen weiteren Weg aufbauen, denn mir bleibt keine andere Wahl.
Natürlich kann man auch sein Leben einfach weg werfen, aber ein Medium hat mal gesagt, wer sich das Leben nimmt, kommt in eine andere Ebene, bis zu dem Zeitpunkt seines natürlichen Ablebens und erst dann ist man mit seinen Lieben wieder zusammen. Ich weiß nicht ob das eine Lüge ist oder der Wahrheit entspricht, das kann ich überhaupt nicht beurteilen. Falls es wahr wäre, würde es nichts nützen, denn man hätte sein Ziel gar nicht erreicht, vor seinem natürlichen Ableben dann. Und dann halte ich mich auch daran, man hat sich das Leben nicht selbst gegeben und hat kein Recht darauf es einfach selbst zu beenden. Wenn es auch noch so sehr weh tut, irgendwie muss man es schaffen und immer wieder versuchen auf zu stehen.
Wenn auch der Weg noch so lang und beschwerlich ist, aber ich werde alles versuchen es zu schaffen, dass bin ich den Meinen, so wie Karl-Heinz und auch meinem Engelchen schuldig. Und ich weiß, dass meine Eltern, Karl-Heinz und auch mein Engelchen, mir dabei helfen werden.
Ich kann über Zeichen sprechen. Zeichen die ich auch schon bekommen habe und die ganz gewiss keine Einbildung sind.
Vielleicht werde ich irgendwann diese Zeichen einmal aufschreiben, ich weiß es noch nicht. Im Moment ist es mir ganz alleine wichtig, dass ich solche Botschaften und Zeichen erhalte. Ich bin überzeugt davon das meine Lieben immer um mich herum da sind und manchmal kann ich sie so gar spüren. Es sind bestimmt Menschen darunter die das belächeln, aber das Gegenteil konnten sie bis jetzt auch nicht beweisen. Dieser Glaube ist das was mich am Leben erhält, die Hoffnung und Zuversicht, werden mein Weg sein in meiner tiefen Trauer, bis zu meinem letzten Atemzug und dann sind wir wieder zusammen bis in alle Ewigkeit.


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